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Judith Weber trifft Weinliebhaber aus Zug und aller Welt.



... Louis-Philippe Bovard

12. Februar 2019

Louis-Philippe Bovard, Winzer und Waadtländer Weinpionier und Judith Weber von Weber-Vonesch
Louis-Philippe Bovard, Winzer und Waadtländer Weinpionier

Monsieur Bovard, Chasselas ist im Lavaux die Königsrebsorte. Daneben bauen Sie auch neue Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Chenin Blanc, Merlot und Syrah an. Ist das nicht Verrat am Lavaux?

Nein, ich denke nicht. Als ich das Weingut Bovard übernommen habe, waren unsere Rebflächen zu 95% mit Chasselas bepflanzt. Nun sind es immer noch 70%, weiter runter wollte ich nicht gehen. Aber wir hatten Lagen, die meiner Meinung nach für Chasselas nicht geeignet sind. Sogar bei unserer Spitzenlage Dézaley habe ich eine kleine Reihe fremder Rebsorten angebaut, direkt am Seeufer, wo der Boden relativ tief und von Erosion betroffen ist. Dort erreichen wir nie die Mineralität von einem Dézaley. Dafür spendet der See viel Feuchtigkeit und der Boden ist tonhaltig, was wiederrum hervorragend ist für Merlot. Ähnlich wie im Pomerol oder im Tessin.

Was ist mit den weissen Rebsorten Sauvignon Blanc und Chenin Blanc?

Diese habe ich in den 90er Jahren eingeführt. Es war ein gemeinsames Projekt mit Hans Stucki und Frédy Girardet, zwei Spitzengastronomen. Wir wollten Weissweine mit mehr Säure erzeugen. Mit Chasselas konnten wir dies ein Stück weit erreichen, indem wir den Biologischen Säureabbau (BSA) stoppten, aber das war’s dann. Wir haben uns für Sauvignon Blanc entschieden, weil diese Rebsorte sowohl säurehaltig als auch aromatisch ist. Und schliesslich für Chenin Blanc, der doppelt so viel Säure aufweist wie Chasselas. Soviel, dass er früher sogar verboten war in der Schweiz.

Haben Sie mit Chasselas auch eine Assemblage geplant?

Ich bin kein Freund von Chasselas-Assemblagen. Vielmehr versuchen wir, die Chasselas-Pflanze zu verbessern. Dafür habe ich vor mehr als 10 Jahren eine Stiftung gegründet. So haben wir zurück zu den alten Klonen gefunden und kennen deren DNA. In einem Versuch haben wir 5 alte Rebsorten untersucht und dabei eine gefunden, die mehr Säure erzeugt, und eine zweite, welche 20% weniger Ertrag generiert. Aktuell habe ich vom Bund einen neuen Auftrag erhalten, von diesen beiden Rebsorten verschiedene Klone anzubauen.

In Ihrem Sortiment bieten Sie zahlreiche alte Jahrgänge an? Können Sie solche Weine überhaupt verkaufen?

Ja, mittlerweile verkaufen sie sich sogar sehr gut. Zu Beginn war das Interesse kaum vorhanden. Trotzdem habe ich immer versucht, von jedem Jahrgang um die 1000 Flaschen zu lagern. Einen Dézaley Chasselas kann man ohne Probleme 30 und sogar bis 50 Jahre lagern.

Was erwartet mich denn bei einem 30-jährigen Dézaley Médinette Grand Cru?

Kürzlich habe ich verschiedene Dézaleys mit Jahrgang 1988 getrunken, von vier verschiedenen Produzenten. 88 war ein schlechtes Weinjahr, die Ernte fand im November statt, es lag bereits Schnee. Die Weine aber waren absolut hervorragend!