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... Robert Eden

21. November 2019

Robert Eden, Pionier in Biodynamik
Robert Eden, Pionier in Biodynamik

Robert, du bist in Frankreich ein Pionier in Sachen Biodynamik. Wie wurdest du ein Anhänger von Rudolf Steiner und seiner Lehre?

Aus reiner Notwendigkeit. Ich stand vor der Aufgabe, einen toten Boden wieder zum Leben zu erwecken. Der beste Weg, das zu erreichen, war dem Boden etwas Lebendiges zu geben, sprich Kompost hinzuzufügen. Die Frage war nun, wie man den Kompost präpariert, um ihn möglichst fruchtbar zu machen und das führte uns automatisch zu Rudolf Steiners Lehre.

Vergräbt ihr auch Kuhhörner im Boden wie Steiner?

Ja. Kuhhörner gefüllt mit Kompostpräparaten ist eine der Methoden, die wir direkt bei Pflanzen und Boden anwenden.

Glaubst du denn ernsthaft an die Wirkung solcher Praktiken?

Zugegeben, zu Beginn fand ich das Ganze schon seltsam. Aus diesem Grund machten wir Tests mit zwei Komposthaufen. Dem einem fügten wir ein biodynamisches Präparat hinzu, dem anderen nicht. Wir haben die beiden Komposthaufen davor und danach untersucht und stellten fest, dass der präparierte Komposthaufen viel potenter war, also viel mehr Mikroorganismen enthielt als der nicht präparierte. Mit diesem und weiteren Tests sahen wir, dass Biodynamik tatsächlich funktionierte. Aber noch wichtiger als jeder Test ist es an das zu glauben, was man tut und die Resultate zu sehen. Wenn man akzeptiert, dass das Leben selbst grosse Kraft besitzt, muss man auch nicht alle Zusammenhänge genau verstehen.

Wie viele Jahre dauerte es, bis der Boden deines Rebberges gesund war?

Bis sich der positive Effekt auch in den Trauben bemerkbar machte, dauerte es sieben Jahre.

Ich hörte von deinem Weinkeller aus Hanf-Bausteinen. Was hat es damit auf sich?

Was die Arbeit im Rebberg angeht, waren wir von Anfang an sehr fanatisch. Wir respektierten die Pflanze, den Boden, das Ökosystem. Beim Weinkeller aber hörte das auf. Darum wollte ich ein Gebäude bauen, dass möglichst natürlich ist und so eine respektvolle Weiterverarbeitung ermöglichte. Hanf gemischt mit Kalk schien mir das richtige Material dafür. Weil dieser Baustoff „atmet“, benötigt mein Keller keine künstliche Temperatur-Regulierung. Die Luft ist somit vollständig natürlich, das Gebäude rein pflanzlich und daher auch komplett rezyklierbar. Fantastisch!

Ja, das ist unglaublich.
Welchen Rat gibst du jungen Weinmachern, die auf Biodynamik setzen möchten.

Man darf bei dieser Methode auf keinen Fall schludrig sein, sondern muss auf die Details achten. Es braucht viel Disziplin. Das ist kein «nine-to-five» Job, sondern es bedeutet 7 Tage die Woche. Wer sich auf Biodynamik einlässt, muss bereit sein, sich von der Vorstellung eines «normalen» Winzers zu lösen. Ausserdem sollte er oder sie sich auch nicht immer fragen, wie Biodynamik funktioniert. Man muss nicht immer alles erklären können. Das wichtigste ist, daran zu glauben und die Ergebnisse zu sehen. Schritt für Schritt.

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